Roman plotten für Anfänger

Mein neues Projekt in Struktur bringen

In diesem Beitrag findest du

Du hast eine Romanidee und nach 30 Seiten steckst du fest? Dann kann das Plotten deiner Handlung Wunder wirken.

Meine Charaktere geistern nun schon einige Zeit durch meinen Kopf. Sie wollen, dass ich ihre Geschichte erzähle. Aber bevor ich mich ans Schreiben mache, muss ich das Schicksal meiner Figuren erst einmal in eine Struktur bringen. 

Du bist quasi in Echtzeit dabei, wie ich dabei vorgehe und welche Schwierigkeiten es gibt. Vielleicht bist du auch Anfänger im Plotten und meine Herangehensweise kann dich bei deiner Romanentwicklung unterstützen.

Was heißt eigentlich einen Roman zu plotten?

Autor:innen sind nicht nur Schreibende, sondern sie sind vor allem Architekt:innen von Geschichten und Welten. So wie ein Haus lieber nicht planlos gebaut werden sollte, braucht auch ein Roman Struktur. 

Der erste Impuls, vor allem als Anfänger, ist oft, die Ideen vom Kopf direkt aufs Papier oder ins Dokument zu bringen. Doch nach ein paar Seiten voller Motivation und Euphorie kommt dann das Erwachen – wie soll es weitergehen? Und genau dabei hilft das Plotten, denn hier werden wichtige Ereignisse, Wendepunkte und logische Verbindungen schon vor dem eigentlichen Schreiben erarbeitert und notiert.

Den Roman zu plotten, ist also in erster Linie eine Hilfestellung für die Autor:in, sich nicht im Chaos der Ideen zu verlaufen. Die Geschichte ist das, was passiert, der Plot ist die Art und Weise, wie Ereignisse miteinander verknüpft sind.

Pantsing vs. Plotting

Es gibt auch gerne das Gegenagrument, dass Plotten die Spontanität aus der Geschichte nimmt. “Pantser” bringen ihre Ideen einfach aus dem Bauch heraus aufs Papier. 

Wie gesagt, das habe ich selbst auch versucht – ca. 60 Seiten ging es gut, dann kam der Stopp. 

Doch ich muss zugeben, die Überschrift “Pantsing vs. Plotting” ist etwas provokativ. Es gibt meines Wissens keine zwei sich bekriegende Lager von Autor:innen. Viele große  Schriftsteler:innen haben für sich einen Mittelweg zwischen diesen beiden Methoden gefunden: Erst alles ganz genau planen, um es dann beim Schreiben zu verwerfen. 

Warum Plotten für Anfänger sinnvoll ist

Ob ich mich am Ende zu 100 % an den Bauplan halte oder nicht, dennoch habe ich mich entschieden – trotz bereits geschriebener 60 Seiten, mein neues Projekt zu plotten. 

Der größte Vorteil liegt einfach darin, dass man beim Schreiben, auch wenn man abschweift, immer wieder seine Planung und das Grundgerüst als Hilfe heranziehen kann. 

Ich muss mir nicht beim Schreiben plötzlich irgendwelche Verbindungen ausdenken, was schnell die Motivation nehmen kann. Das Phänomen, dass Figuren beim Schreiben gerne vom mühsam ausgearbeiteten Plan der Autor:in abweichen, habe ich auch schon bei meiner Novelle “Horizont der Seelen” gemerkt. Umso wichtiger ist es, dass man vor allem als Anfänger immer einen Fahrplan hat, zu dem man zurückkehren kann. 

Vom Kopf auf das Papier: Praktisches Vorgehen beim Plotten

Ich habe mir in den letzten Monaten viele Interviews mit Autor:innen durchgelesen und angehört, um festzustellen, dass es nicht den einen richtigen Weg zum Plotten eines Romans gibt. Und so richtig konnte ich keinen Weg finden, der mich wirklich zufrieden gestellt hat und vor allem auch bei Hürden hilfreich war. Doch dann habe ich ein Buch entdeckt, dass mir sehr geholfen hat, meinen Plot erst einmal grob zu strukturieren.

Übrigens: Mein aktuelles Romanprojekt ist eine Fortsetzung zu meiner Novelle:

Horizont der Seelen.

Save the Cat: Endlich Struktur im Ideen-Chaos

“Save the Cat” von Blake Snyder (dt. Rette die Katze!) ist ein Buch für Drehbuchautor:innen, doch seine Beat-Sheets, die er sehr detailliert im Buch aufzeigt und mit Beispielen der Filmgeschichte erklärt, können auch beim Schreiben eines Romanes hilfreich sein. 

Denn hier geht die Planung schon über die Drei-Akte-Struktur hinaus und du als Autor:in kannst wichtige Plotpoints bereits an die passende Stelle setzen. Wenn ich dir also ein Buch empfehlen kann, dann ist es dieses. 

Blake Snyders Beat Sheets sind 15 Wegmarken, die ein Film (oder in unserem Fall ein Roman) braucht, um emotional zu funktionieren. Für mich als Anfängerin ist das extrem hilfreich, um zu erkennen, an welchen Punkten etwas passieren muss.

Durch diese 15 Punkte konnte ich schon einmal in je 1-2 Sätzen Handlungsstränge zusammenfassen, die im Laufe meiner Geschichte unbedingt passieren müssen, um den Plot voranzutreiben.

Was mir dabei besonders geholfen hat, ist dass ein Plot nicht linear Spannung aufbaut, sondern bestimmte “Beats” braucht. Als Anfänger neigt man dazu, die Ideen schnell in Worte fassen zu wollen, und spätestens im Mittelteil gerät dann alles ins Stocken. Snyders Buch hat mir gezeigt, wie wichtig vor allem auch die Beats des 2. Aktes sind. 

Statt also nur zusammenzufassen, was im ersten, zweiten und dritten Akt passieren soll, bieten die Beats Vorlagen für kleinere Etappen. 

Szenenplanung: Jetzt wird es bunt

Karteikarten zum Plotten eines Romanes
Foto von Unsplash (Solstice Hannan)

Mit den Beats aus dem vorherigen Schritt hast du jetzt Handlungsstränge zusammengetragen, die unbedingt in deinem Roman eingebaut werden müssen. Und mit ziemlicher Sicherheit schweben dir da schon einige Szenen der Umsetzung im Kopf herum. Mir geht es zumindest so.

Auch bei der Szenenplanung gibt es verschiedene Varianten und keine davon ist richtiger als die andere. Ich habe für mich festgestellt, dass ich am besten mit bunten Karteikarten arbeite. Wenn du lieber gleich digital arbeitest oder mit Notizheften – go for it. 

Meine Empfehlung ist nur: die Verwendung verschiedener Farben. Hast du beispielsweise zwei oder mehrere POVs, nutze für jeden Charakter eine neue Farbe, so fällt bei der Szenenplanung schon auf, wer vielleicht zu kurz kommt.

In meinem aktuellen Projekt gibt es nur einen POV, ich nutze die verschiedenen Farben dann eher für die verschiedenen Gefühle und Spannungen, die eine Szene transportieren soll. Der Vorteil dabei ist, wenn ich dann vier rote Karteikarten mit hoher Spannung / Gefahr nebeneinander habe, erkenne ich, da müssen Szenen zum Durchatmen dazwischen kommen.

Szenenplanung heißt nicht, dass du hier dein Buch Szene für Szene genauestens planen musst, jedenfalls nicht direkt. Ich schreibe in diesem Schritt die Szenen auf, die ich schon genau im Kopf habe. Im besten Fall werden damit schon die 15 Punkte des vorherigen Schrittes abgedeckt. 

Die wichtigsten Punkte, die auf diesen Karteikarten stehen sollten, sind die beteiligten Charaktere, wo und wann die Szene stattfindet und natürlich der Inhalt.

Einen Roman Plotten für Anfänger: Karteikarte zur Szenenplanung

Wie detailliert der Inhalt auf diesen Karteikarten schon beschrieben wird, ist ganz unterschiedlich. Bei einigen Szenen weiß ich in diesem Stadium nur, was passieren muss. Also schreibe ich grob 1-2 Stichpunkte. In anderen Szenen habe ich schon einen konkreten Dialog im Kopf, dann packe ich ihn schon mit auf die Karte. Unser Gehirn hat oft die besten Einfälle, aber sehr schnell geraten die auch wieder in Vergessenheit, deshalb: lieber alles wichtige aufschreiben. 

Ich arbeite bei der Szenenplanung noch gar nicht chronologisch. Sondern beschrifte die bunten Kärtchen mit den Szenen, die mir gerade in den Kopf kommen – und wichtige Plotpunkte. Anschließend bringe ich dann alle Karten in eine richtige Reihenfolge, wie sie auch in meinem Roman ablaufen sollen. 

Und wenn ich dann vor der bunt gefüllten Pinnwand stehe, ist die Szenenplanung noch lange nicht perfekt. Jetzt fallen die Lücken auf. Ist z.B. eure Protagonist:in in der einen Szene allein im Wald und in der nächsten Szene hat sie eine heftige Diskussion mit einer Freund:in, fehlt das Verbindungsstück. Es muss hier keine lange Szene geben die beschreibt, wie sie mit dem Bus zu ihrer Freundin fährt, aber der Übergang muss deutlich werden.

Oder es fällt auf, wie ich bereits oben erwähnt hatte, dass viele Karteikarten einer Farbe nebeneinander hängen. In den meisten Fällen ist es für die Geschichte von Vorteil, da nochmal Verbindungen zu ziehen. 

Der Härtetest beim Roman plotten: Das Exposé

Exposé? Jetzt schon? 

Ja! Das Schreiben eines Exposés kann eine große Hilfe für dich beim Plotten sein. Du hast jetzt all deine Handlungsstränge und Szenen stichpunktartig niedergeschrieben. Aber funktioniert das auch im Fließtext? 

Schreib die Handlung, die dein bisher ausgearbeiterter Plot vorgibt, auf. Sieh das Exposé nicht als eine Herausforderung, sondern als einen Fahrplan, der dir hilft, wann immer du später beim Schreiben eine Blockade haben solltest. 

Und ganz wichtig: Du hast dich jetzt lange mit deinen Charakteren und deinem Plot beschäftigt. Für dich erscheint das alles logisch. Kleinere Logikfehler oder Plotlücken fallen dir wahrscheinlich gar nicht mehr auf. Also setze dir beim Schreiben auch das Ziel, dass du das fertige Exposé Freunden, Verwandten oder Bekannten zum Lesen gibst. Es geht jetzt noch nicht um Beta-Leser:innen des Romans. Bevor du überhaupt anfängst am Roman zu schreiben, geht es darum zu erkennen, ob der Plot, so wie du ihn geplant und ausgearbeitet hast, auch für Außenstehende funktioniert. 

Hab keine Angst vor Kritik, sondern sieh es als Hilfestellung. Nachdem du das Exposé, im besten Fall mit Anmerkungen, zurück hast, kannst du es noch einmal mit etwas Abstand überarbeiten. 

Regeln beim Schreiben des Exposès

  • Erster zusammenhängender Fließtext des Plots
  • gibt die Struktur des Projektes wieder
  • Zeitform: Präsens
  • Arbeitstitel, Genre, Zielgruppe und einer kurzer Pitch von 1-2 Sätzen  
  • keine Verheimlichungen für die Spannung, ein Exposé ist kein Klappentext
  • Konzentration auf die Haupthandlung
  • Verlage / Agenturen geben an wie viele Seiten sie erwarten, meist 2-3 Seiten

Zusammenfassung

Für das Plotten eines Romanes gibt es ganz verschiedene Varianten, die jede Autor:in für sich selbst finden muss. Ein großer Vorteil dieser Methode, ist dass vor allem Anfänger:innen ihren genauen Fahrplan ausarbeiten können. Die Idee ist die Keimzelle, aus der sich später jedes Detail entwickelt, der Plot ist der Inhalt des entstehenden Werkes.

Je besser ein Plot ausgearbeitet ist, desto leichter fällt dir am Ende das Schreiben. Also hier noch einmal Reihenfolge der wichtigsten Schritte beim Plotten:

  1. Ideen sammeln und alles aufschreiben, egal wie unwichtig es erscheint
  2. Wichtige Plotpunkte erkennen und richtig setzen. (z.B. mit den Beat Sheets von Blake Snyder)
  3. Szenen planen, in die richtige Reihenfolge bringen und Verbindungen ziehen
  4. Exposé als erster zusammenhängender Text des Projektes.

Egal, ob du einen Liebesroman, Fantasy oder einen Thriller schreibst, strukturiertes Plotten hilft dir dabei, den Überblick nicht zu verlieren. Wie detailliert jede Autor:in plottet, ist ganz unterschiedlich. Viele beginnen nach dem Exposé direkt mit dem Schreiben, andere gehen noch einen Schritt weiter und planen jedes Kapitel schon vorher. 

Da ich aber selbst bei meinem aktuellen Projekt noch nicht bei der Kapitelplanung angekommen bin, wird die Thema in einem späteren Beitrag sein.

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